Demographischer WandeL
Chancen oder Risiken?
Die Finanz- und Wirtschaftskrise geht vorüber,
die demographische Krise,
ausgelöst durch eine scheinbar ungebremste Bevölkerungsentwicklung
in unterschiedliche Richtungen,
wird ungleich größer sein
und kann mit herkömmlichen Mitteln nicht gelöst werden!
Ausgangslage
Die Fakten zu strukturellen Bevölkerungsentwicklungen sind statistisch für die verschiedenen Nationen, ja sogar für einzelne Regionen gut aufgearbeitet und zeichnen für die kommenden Dekaden ein deutsches, gesamteuropäisches und globales Bild, das nach weitreichenden strategischen Antworten ruft.
Ist: Weltbevölkerung 2008 6,5 Mrd. Menschen
Prognose: Weltbevölkerung 2030 8,5 Mrd. Menschen
Zuwachs: Weltbevölkerung = 2 Mrd. Menschen, vornehmlich in Afrika und Asien
Die bisherigen politischen Diskussionen und Antworten greifen zu kurz. Sie konzentriert sich bisher weitgehend auf die damit verbundenen Fragen der Alterssicherung, insbesondere der Einkommensverhältnisse und der Gesundheitsfürsorge. Die Antworten sind Parteien übergreifend wenig differenziert und kreisen im Wesentlichen um erweiterte Rentensysteme, eine Stärkung der Bevölkerung durch gezielte Zuwanderungen und einen Ausbau des Gesundheits- bzw. Pflegesystems. Dabei werden interne Anpassungen thematisiert - wie etwa familiäre Solidarität vs. staatliche Fürsorge, Rentenalter-Verschiebungen sowie Beschäftigungsbedingungen für über fünfzigjährige Arbeitnehmer.
Offene Fragen
Die bisherigen Fragestellungen greifen ebenfalls zu kurz, da sie das grundsätzliche Problem zu stark isolieren. Ist die demographische Entwicklung in Deutschland nur ein nationales Problem? Wie sieht es in anderen EU-Staaten aus? Haben auf globaler Ebene nicht auch viele andere Nationen im Zuge des Fortschritts ihrer wirtschaftlich-gesellschaftlichen Entwicklungen mit vergleichbaren Problemen zu kämpfen? Was bedeutet die erkennbare Umstrukturierung der Bevölkerung in den betroffenen Regionen im globalen Kontext?
Welche Antworten lassen sich schon heute im internationalen Vergleich (z.B. mit Japan, wo eine Zuwanderung kategorisch abgelehnt wird) finden? Lassen sich durch technologische Entwicklungen, trotz des Technologie Paradoxons, durchgreifende und nachhaltige Lösungen erwarten? Reicht die Methusalem- und Jugendwahndebatte aus, um in einer überschaubaren Zukunft konstruktive gesamtgesellschaftliche Wohlstandslösungen zu finden? Was also können wir tun?
Wie muss sich die Wirtschaft an diese Entwicklung auf den nationalen und globalen Märkten ausrichten? Welche neuen internationalen Herausforderungen kommen demographisch bedingt auf uns zu? Lassen sich durch technologische Entwicklungen - trotz des Technologie-Paradoxons - durchgreifende und nachhaltige Lösungen erwarten? Reicht die Methusalem- und Jugendwahndebatte aus, um in einer überschaubaren Zeit konstruktive Wohlstandslösungen zu finden? Wird die aktuelle Einwanderungspolitik in Deutschland und Europa dem Wandel gerecht? Welche Auswirkungen haben die Veränderungen auf das Klima und die Versorgung der Erdbevölkerung mit Nahrung und Wasser? Müssen wir bei einem Anstieg der Erdbevölkerung um ca. 1,6 Mrd. in den nächsten 20 Jahren unsere Entwicklungshilfe- und Einwanderungspolitik anpassen? Diese und angrenzende Fragen wollen wir aus sehr verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und erkennbare, konkrete Konsequenzen ableiten, um auch anhand internationaler Beispiele entsprechende Lösungen erarbeiten zu können.
Herausforderungen
Die Herausforderungen liegen eigentlich auf der Hand: Es geht nicht alleine um das gute oder bessere Überleben der Älteren sowie um die Sorgen der Jüngeren bezüglich der Generationslast, sondern vielmehr um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabenstellung. Es muss klar dargelegt werden, von welcher Grundposition aus diese Aufgabenstellung angegangen werden soll. Will man nur Schadensbegrenzung betreiben, um die Risiken für die verschiedenen Altersklassen (fast in statischer Betrachtung, obwohl die Jungen von heute doch die Alten von Morgen sein werden) sinnvoll zu begrenzen. Oder: Greifen wir das Phänomen ganzheitlich und nachhaltig auf, indem nach den Chancen einer derartigen nationalen Entwicklung im globalen Kontext gefragt wird. Letzteres bedeutet, die anstehende Herausforderung konstruktiv aufzugreifen. Neue Bedürfnis- und Bedarfstrukturen sind zu definieren, und die sich daraus ergebenden Veränderungen für Nachfragen und schließlich ganze Marktentwicklungen müssen erforscht werden. Die Konzentration auf den so genannten Gesundheitsmarkt reicht nicht aus. Wie aber werden Anbieter im Laufe der Zeit und im nationalen Vorgriff mit ihren Innovationen darauf reagieren? Die unternehmerischen Initiativen, einschließlich denen der Social Entrepreneurs, werden, im Rahmen modifizierter staatlicher Rahmenbedingungen als Promotoren, hin zu einem neuen gesellschaftlichen Gleichgewicht, im Blickpunkt stehen. Zumindest dann, wenn wir unsere demokratische Grundordnung mit dem Modell der Sozialen Marktwirtschaft weiterhin lebendig halten wollen.
Hierzu müssen kurzfristig Antworten und Lösungen u.a. auf folgende Fragen gefunden werden:
Wie muss Europas Entwicklungshilfe- und Einwanderungspolitik einem weltweiten Bevölkerungszuwachs von ca. 2 Mrd Menschen in den nächsten 20 Jahren angepasst werden?
- Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die weltweite Nahrungsmittelversorgung und die Trinkwasservorräte der Menschen und was bedeutet das für den europäischen Kontinent?
- Wie können Wirtschaft und Politik gemeinsam eine Zukunft für nachfolgende Generationen gestalten in einer Welt, in der die Menschen um Nahrung und Wasser ringen?
- Welche Perspektiven, Bildung und Hilfen brauchen die Menschen in Entwicklungsländern (mit überproportionalem Bevölkerungswachstum), um an den Orten, an denen sie geboren werden zu bleiben, zu arbeiten und zu leben?
- Wie können wir einer Völkerwanderung ungeahnten Ausmaßes begegnen bzw. verhindern, bei der Menschen wegen Hunger, Wassermangel, Nahrungsmittel-verknappung, Klimawandel und Anstieg der Meeresspiegel vornehmlich den Weg nach Europa (überwiegend aus Afrika) suchen?
- Was wird geschehen, wenn diese Menschen zusätzlich die Sozialsysteme der europäischen Länder belasten und diese der daraus resultierenden Mehrbelastung nicht standhalten können.
- Besteht die Gefahr sozialer Verwerfungen mit dem negativen Effekt, dass dadurch Leistungsträger mit guter Bildung und finanziellem Hintergrund Europa verlassen werden. (Doppelter Negativeffekt in Bezug auf die Sicherung der Sozialsysteme)?
Mission
Wollen wir nicht in ein schwarzes gesellschaftliches Loch stürzen, müssen die erkennbaren Herausforderungen ideologiefrei, aber nicht ohne ethische Fundierung, aufgegriffen werden. Lösungen mit sehr langfristigen Perspektiven sind inter-, ja multidisziplinär, und unter Beachtung der unterschiedlichen Blickwinkel der fundamentalen Interessen gesellschaftlicher Teil-Systeme (Luhmann) zu erarbeiten. Sie sind mit langem Atem, über die zeitlichen Grenzen politischer Aktionsräume hinweg, in die Realisierung zu führen. Die Wirtschaft muss die Möglichkeiten bieten, mit allen Gesellschaftsgruppen gemeinsame Lösungen zur Gestaltung unserer Zukunft zu erarbeiten.
Strategie
Ein erster Schritt könnte das EWS-Projekt sein, das sich nicht Ressourcen orientiert mit den „Grenzen des Wachstums" beschäftigt, sondern sich vielmehr Kompetenz basiert der Aufgabe widmet, die schöpferischen nationalen, europäischen und weltweiten Potenziale auszuloten, die zur Begegnung der anstehenden Herausforderung vorhanden sind. Wie können wir im globalen Wettbewerb unter sich gravierend verändernden Randbedingungen unsere Positionen erhalten und vielleicht sogar verbessern? Und dies entsprechend dem Motto „Act local and think global!". (Siehe nachfolgendes Modell „Abwrackprämie").
Prof. Dr. Norbert Szyperski
Wolfgang Franken
Rösrath, den 08.12. 2008
Sylter Rundes des EWS am 12. und 13. März 2009
in Westerland/Sylt
Der EWS hat zum Thema „Demographischer Wandel - Chancen oder Risiken?" einen Gesprächskreis engagierte Unternehmer, Politiker und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, sowie weitere Persönlichkeiten eingeladen, die sich konstruktiv mit diesem Thema beschäftigt haben. Ein Ergebnis dieser Runde mündet im Projekt „Wege aus der Krise - Abwrackprämie, ein Modell für Afrika"
Hintergrund
Der Europäische Wirtschaftssenat (EWS) - auf dessen Einladung Politiker, Experten und erfolgreiche Unternehmer-Persönlichkeiten regelmäßig aktuelle Wirtschaftsthemen erörtern - will das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik durch sachliche Gespräche neu beleben. Er wurde 2003 gegründet und hat Büros in München, Brüssel und Bonn.
Die Mitglieder dieses europäischen Netzwerks erfolgreicher Unternehmen und Persönlichkeiten engagieren sich für Staat und Gesellschaft und stellen ihr Wissen den politischen Entscheidungsträgern beratend zur Verfügung. Wettbewerb und Konkurrenzdenken innerhalb des Gremiums gibt es nicht, denn für jede Branche wird nur ein Mitglied zugelassen. Qualität vor Quantität ist das Motto, Unternehmensgrößen spielen dabei keine Rolle, der Zusammenschluss soll die Interessen der gesamten Wirtschaft vertreten - also von Konzernen und Mittelstand gleichermaßen. Präsident des EWS ist Prof. Dr. Bernhard Friedmann, langjähriges Mitglied des Bundestags in Bonn und ehem. Präsident des europäischen Rechnungshofs in Luxemburg. Gründungsmitglieder sind u.a. der Bund der Steuerzahler in Bayern und die Taxpayers Association of Europe (TAE) mit mehr als 1 Mio. Mitgliedern. Das Generalsekretariat des Europäischen Wirtschaftssenat e.V. (EWS) mit Generalsekretär Wolfgang Franken wurde in Bonn angesiedelt: Tür an Tür mit den Ministerien und Behörden für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit und in unmittelbarer Nähe zu Konzernen und Verbänden.
Infos unter www.eu-wirtschaftssenat.eu

