Kommentar EWS-Präsident Dr. Ingo Friedrich, 26.01.2024

Spätestens nach den Erfolgen von Trump bei den US-Vorwahlen, der Aggression von Putin und dem wachsenden Einfluss Chinas stellt sich für Europa die Existenzfrage in neuer Form: kann Europa die akuten dramatischen Herausforderungen mit seiner derzeitigen Verfasstheit bewältigen oder braucht es einen grundlegenden Neustart?

Die Antwort liegt auf der Hand: Ja, es braucht einen Neustart der Politik, der Institutionen, insbesondere der Militärstrategie und der Wirtschaftspolitik, um Europa zu einem zentralen Faktor der Weltpolitik - einem „Global Player“ - zu machen. Das offensive, ja z.T. aggressive Verhalten von China und Russland und die zu befürchtende Abkehr der USA von Europa unter Trump zwingt Europa dazu, sich völlig neu aufzustellen. Europas derzeitige, insbesondere militärische Schwäche kann in der heutigen Weltsituation lebensgefährlich werden. Was würde passieren, wenn Putin ein baltisches Land angreift? Würde Trump dann mit amerikanischen Soldaten Europa verteidigen? Garantieren kann das leider niemand mehr.

Europa muss deshalb insbesondere seine militärischen Kräfte - natürlich innerhalb der NATO - bündeln und z. B. durch den Bau eines gemeinsamen europäischen Flugzeugträgers eine global unüberhörbare Botschaft auszusenden: Mit Europa muss man rechnen, Europa ist ernst zu nehmen. Leider ist die Welt nicht so friedlich und vernünftig wie sich manche Friedensidealisten dies erträumen. Wenn wir unseren europäischen Frieden sichern wollen, müssen wir bereit sein dafür mehr zu tun als bisher.